Guinea


Übersichtskarte Afrika

Guinea ist eine, seit Oktober 1958, unabhängige Republik an der westafrikanischen Atlantikküste. Nachbarländer sind Guinea-Bissau, Senegal, Mali, die Elfenbeinküste, Liberia und Sierra Leone.

Über 10 Mio. Menschen aus ca. 20 verschiedenen Völkern und Volksgruppen leben auf 245.857 km². Die Küstenstadt Conakry ist Hauptstadt Guineas. Fast 2 Millionen Einwohnern leben in der Metropole. Alpha Condé, vom Volk der Malinké, ist seit November 2010 Staatspräsident. Im Dezember 2010 ernannte Condé den Ökonom Mohamed Saïd Fofana zum Premierminister.

Land und Leute

Etwa ein Drittel der Einwohner lebt in Städten. Der Großteil der Guineaner wohnt, oft fernab vom urbanen Leben, auf dem Land. Die Bevölkerungsdichte in Guinea ist mit ca. 40,7 Einwohnern pro km² sehr gering. Jeder zweite Guineaner ist jünger als 17 Jahre. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist mit 55 Jahren gering. Nur ca. 3% der Bevölkerung erreicht ein Alter von 65 Jahren und darüber hinaus. Das Jahreseinkommen eines Einwohners beträgt im Mittel 190 €. Mehr als 80 % der arbeitenden Bevölkerung ist in der Landwirtschaft tätig, die jedoch kaum produktiv ist. Die Nahrungsmittelerzeugung reicht oft nicht einmal für den Eigenbedarf.

Die meisten Einwohner Guineas gehören den drei größten Ethnien an: Fulbe (Felatta) 40 %, Malinke 30 %, Susu 20 %.  Nur etwa ein Viertel der Guineaner beherrscht die Amtssprache Französisch. Es existieren weitere offizielle Landessprachen, die zum Teil nicht miteinander verwandt sind. Manche Sprachen werden sogar in der Schule unterrichtet. In den größeren Städten leben viele libanesische Einwanderer. Bürgerkriege in den Nachbarländern Sierra Leone und Liberia führten zu einem Flüchtlingseinstrom.

Die meisten Guineaner (88 %) gehören dem sunnitischen Islam an. Etwa 7 % der Bevölkerung sind Anhänger traditioneller Religionen. Die christliche Minderheit (5 %) lebt vor allem in der Hauptstadt Conakry.

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Geschichte

Die ersten Einwohner Guineas waren in Höhlen lebende Pygmäen, die fischen und jagen. Als eine der ersten Einwanderer siedelten sich Dialonke, Malinke sowie Sussus in Nord-Guinea an und verdrängen die Ureinwohner in die Küstenregion. 1460 wird die Küstenregion Guineas (Rivières du Sud) in einer portugiesischen Chronik erwähnt, basierend auf den Aufzeichnungen des Seefahrers Pedro des Sinte. Um 1730 lassen sich die Sussu an der Küste nieder. Mit ihnen geht Frankreich geschäftliche Verbindungen ein und schließt Verträge. Ab Mitte des 19. Jh. nimmt Frankreich zunehmend Einfluss auf Guinea, zuvor beanspruchten Portugiesen, Holländern und Engländern das Gebiet. Sechzig Jahre (1898 – 1958) ist Guinea französische Kolonie.

In einer historischen Wahl am 28. September 1958 spricht sich die Bevölkerung gegen eine Eingliederung in Frankreich aus. Nur wenige Tage später, am 2. Oktober, erlangt Guinea seine vollständige Unabhängigkeit. Die neue Verfassung Guineas tritt am 12. Oktober in Kraft. Erster Präsident Guineas ist Sekou Touré, er regiert 26 Jahre bis zu seinem Tod im März 1984.

Nachfolger Tourés ist Oberst Lansana Conté, dessen Macht auf ein Militärkomitee gestützt ist. Aus der ersten demokratischen Präsidentschaftswahl im Dezember 1993 geht Conté als Sieger hervor. Bei den folgenden Wahlen wird er als Präsident bestätigt, die Opposition spricht von schwerem Wahlbetrug. Laut Transparency International ist Guinea zu dieser Zeit eines der korruptesten Länder weltweit. Die Bevölkerung leidet unter der starken Inflation. In den Jahren 2006 bis 2008 kommt es immer wieder zu massiven Generalstreiks, um den Präsidenten unter Druck zu setzten. Ab Juni 2008 beteiligten sich Polizisten, Lehrer und Ärzte an den Streiks, das Militär versuchte die Situation unter Kontrolle zu halten. Ende 2008 stirbt Lansana Conté. Die Amtsgeschäfte des verstorbenen Präsidenten führt bis zu den Neuwahlen im November 2010 eine Übergangsregierung aus der Armee. In einer Stichwahl setzte sich der langjährige Oppositionsführer Alpha Condé mit 52,5 % der Stimmen durch und wird neuer Präsident Guineas.

Gesundheit

Mangelernährung und schlechte medizinische Versorgung führen zu einer extrem hohen Kindersterblichkeit im internationalen Vergleich. 2008 lag die Sterblichkeit für Kinder unter fünf Jahren bei 146 Kindern und die Säuglingssterblichkeit bei 66 pro 1000 Lebendgeburten.

Die bedürftige Bevölkerung hat schlechten Zugang zur öffentlichen Gesundheit. Auf dem Land müssen die Menschen zum nächsten Krankenhaus bis zu 50 km zu Fuß zurücklegen. Für 1.000 Einwohner steht nur 1 Arzt zur Verfügung.

Vor allem aufgrund der schlechten sanitären Situation wird das ganze Land regelmäßig von Choleraepidemien heimgesucht. Malaria bleibt eine der Haupttodesursachen in Guinea. Es fehlt an medizinischem Material und an Mitteln zur Behandlung akuter und chronischer Krankheiten.
WHO – Gesundheitsprofil Guinea

Bildung

Mehr als die Hälfte der Einwohner (56%) sind Analphabeten, meist Frauen und Mädchen. Nur jeder zweite Guineaner hat die Möglichkeit eine Grundschule zu besuchen, 80% davon sind männlich. Etwa jeder Zehnte besucht eine weiterführende Schule. Die Lebensumstände in dem Westafrikanischen Land erlauben nur einem elitären Teil der Bevölkerung (ca. 1%) den Hochschulbesuch.

Ackerbau und Viehzucht

Wie in allen afrikanischen Kulturen ist der Ackeranbau weit verbreitet und oft Lebensgrundlage. In Zusammenarbeit mit der Regierung versuchen Hilfsorganisationen die traditionellen Anbau-Verfahren zu modernisieren, um die Erträge zu steigern. Gemeinsames Ziel der Projekte ist es, die landesweite Nahrungsmittelversorgung sicherzustellen (z.B. durch Reisanbau) und den Export zu steigern (z.B. von Kaffee, Baumwolle, Kautschuk, Gemüse, Früchte).
In Mittel- und Oberguinea spielt die Viehzucht eine große Rolle. Gezüchtet werden Rinder, Schafe und Ziegen. Schweinezucht wird in Waldguinea und urbanen Regionen betrieben.

Geographie

GuineaGuinea lässt sich in vier natürliche Regionen einteilen. Niederguinea – Niedrige Ebenen breiten sich entlang der Atlantikküste aus. Die Region, vornehmlich von den Sussu bewohnt, ist gut erschlossen. Mittelguinea – Die Region ist durch das Hochland von Futa-Djallon geprägt. Bedingt durch die Höhenlage ist es kühl. Häufige Niederschläge sorgen für eine vielfältige Vegetation. Die meisten Bewohner gehören zum Stamm der Peul. Oberguinea – In der Savannenlanschaft stellen die Malinke die größte Bevölkerungsgruppe. Waldguinea – Mehrere Stämme (Kissi, Tomas, Gerze) leben in der Bergregion. Im Süden der Region ist das Klima nahezu konstant. 30°C, Niederschlagsmenge: 3 bis 4.000mm.

Klima

Das Klima in Guinea ist tropisch. Die Durchschnittstemperatur liegt bei 25°C , Höchstwerte liegen zwischen 28 und 35 °C. In der Regenzeit (April bis November) stürmt es häufig, tropische Gewitter sind nicht selten. Ausnahme ist der Regenwald im Süden Guineas, hier beginnt die Regenzeit oft schon im Februar. Typisch für die Trockenzeit (November bis April) sind die warmen, trockenen Harmattan-Winde aus der Sahara.

Weltnaturerbe Nimba-Berge

Das Naturschutzgebiet Nimba-Berge gehört seit Anfang der 1980er Jahre zum Unesco Weltnaturerbe. Seit 1992 wird das Naturerbe auf der „Roten Liste des gefährdeten Welterbes“ geführt. Der zu Guinea und Elfenbeinküste gehörende Mount Nimba (1752m) ist imposanter Mittelpunkt des 180 km² großen, größtenteils waldbedeckten Areals.